Die Werkstatt

In meiner Werkstatt im 400-jährigen Bauernhaus stehen vier Webstühle, ein Zettelbaum, eine Lochkartenschlagmaschine und Schränke voller Garnspulen: Dick, dünn, weich, hart, matt und glänzend. Wie viele Frauen vor mir arbeite ich in Heimarbeit. Die Webstühle stehen, dort wo es gerade Platz hatte: die zwei schwedischen Produktionswebstühle im Keller, der kleine Dobby und der 3.20 Meter hohe Jacquard Webstuhl in der ehemaligen Rauchküche - am einzigen Ort, der genug Deckenhöhe hatte.

Auf Anfrage begleite ich gerne Projekte: Ich unterstütze beim Entwerfen und Zeichnen von Patronen, bei der Wahl von Garnen und Materialien oder bei der Umsetzung von Ideen am eigenen Webstuhl. Die Projektbegleitung erfolgt nach Aufwand, der Ansatz beträgt 50 Franken pro Stunde.

Die Weberin

Von klein auf interessierte ich mich für alles, das ich selbst von Hand herstellen konnte. Mein Weg führte mich zu Garn, Farben, Mustern, unzähligen Begegnungen und einem Jacquardwebstuhl mit über 100-jährigen Lochkartenschlagmaschine.

Ich hatte geschnitzt, gefilzt, gestrickt, gestickt, gehäkelt, gefärbt, Kleider genäht, Lederarbeiten gemacht und aus Rohwolle Garn gesponnen. Zum Weben kam ich, als ich meine Schwiegermutter endlich dazu überreden konnte, den alten, von ihrem Vater von Hand geschreinerten Webstuhl aufzustellen. Auf der schmalen Veranda am nordnorwegischen Fjord zerschnitten wir die zerschlissenen Kleider der Familie, die Schwiegermutter jahrelang in grossen Säcken aufbewahrt hatte, und webten Flickenteppiche in der kleinen Stube. Dann kaufte ich einen Occasion-Webstuhl, der genau im Gang unseres Reihenhauses Platz hatte, und begann selber zu weben. Ich hängte den Job in der biochemischen Forschung an den Nagel und bildete mich zur Handweberin aus. Nach der Lehrabschlussprüfung eröffnete ich eine eigene Werkstatt in Tromsø, Norwegen und legte später die Meisterprüfung ab. 2016 und 2020 erhielt ich das norwegische Volkskunststipendium.

Jetzt wohne und arbeite ich in einem Weiler im Obersimmental. Ich unterrichte den üK1+2 der Gewebegestalter*innen EFZ und schreibe für die Simmental Zeitung - aber das ist eine Geschichte für ein anderes Mal.

Wann und wo

Eine Auswahl meiner Teppiche gibt es im Heimatwerk Saanen.

Am 14. Juni 2026 stelle ich am Kultur- und Genussfestival Thuner Vielfalt in der Zündkapselfabrik aus.